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Hilfe in familiären Belastungssituationen

Plötzlich ist der Mann zuhause und die Frau arbeitet systemrelevant als Pflegerin oder Supermarktkassiererin. Laut Statista 2020 bestehe das Gesundheitspersonal zu über dreiviertel aus Frauen, in Verkaufsberufen betrüge der Frauenanteil ca. 70 Prozent1. Jetzt ist es an der Zeit, dass Forderungen nach einer Aufwertung dieser Berufe lauter werden. Sie sind systemrelevant und Arbeitsbedingungen müssen neu überdacht werden.

Jetzt ist auch die Zeit, dass Care-Arbeit, die bisher hauptsächlich von Frauen übernommen wurde, neu aufgeteilt werden kann. Männer haben die Chance, sich in Kinderbetreuung, Hausarbeit oder der Pflege von Familienangehörigen zu beweisen.

„Eine Medaille hat immer zwei Seiten. Auf der einen Seite hat Familienleben jetzt eine echte Chance, neu entdeckt zu werden. Auf der anderen Seite führen Beschränkungen der Sozialkontakte, Sorgen um die finanzielle Situation und Mehrbelastung durch den Wegfall von Kinderbetreuung und Schule zu echten Belastungssituationen.“, meint die Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde Ganderkesee, Katrin Gaida-Hespe.

Das macht Hinschauen und Zuhören umso wichtiger. „Es ist okay, um Hilfe zu bitten!“, so verweisen die Gleichstellungsbeauftragten der Gemeinden aus dem Landkreis Oldenburg auf Telefonnummern wie die des „Hilfetelefons“: 0800 0 116 016, das 24 Stunden in 18 Sprachen erreichbar ist. Weiter betonen sie: „Betroffene, Angehörige und Nachbarn sollen den Mut haben, sich Hilfe zu suchen. Nachbarn sollten nicht wegschauen, wenn sie das Gefühl haben, das ist nicht nur ein „normaler Streit“. Sie können die Betroffenen ansprechen und fragen, ob alles in Ordnung ist. Bieten Sie Hilfe an, z. B. bei der Vermittlung zu Beratungsstellen.“ Viele Beratungsstellen haben ihre telefonische Erreichbarkeit ausgebaut. Die bewährten Hilfestrukturen funktionieren während der Krisenzeit. Die Bedeutung der Frauenhäuser wird nochmal bewusster. Schon vor der Pandemie fehlten in Deutschland Frauenhausplätze. Und der Druck erhöht sich in Zeiten von Kontaktsperre und Infektionsschutzauflagen. „Alle Kollegen und Kolleginnen geben aktuell ihr Bestes, obwohl sie natürlich auch selber mit den Auswirkungen der Krise zu kämpfen haben. Hilfs- und Schutzangebote funktionieren. Es ist sehr gut, dass auch die Beschäftigten in Frauenhäusern und Fachberatungsstellen als systemrelevant eingestuft werden und das finanzielle Unterstützungsprogramme, wie das Bundesinvestitionsprogramm „Gemeinsam gegen Gewalt an Frauen“, das Hilfesystem fördern“, so Britta Hauth, Gleichstellungsbeauftragte beim Landkreis Oldenburg.

Alle Gleichstellungsbeauftragten sind auch aktuell telefonisch oder per E-Mail über die Kommunen zu erreichen, obwohl auch sie zum Teil in Schichtarbeit oder im Homeoffice arbeiten.

Hilfetelefone:

  • Polizei: 1 1 0 oder 04481 8888 (Polizei Sandkrug), www.polizei-beratung.de
  • „Gewalt gegen Frauen“ Hilfetelefon :Tel. 0800 0 116 016 (24 Stunden, 18 Sprachen), www.hilfetelefon.de
  • Wildwasser Oldenburg, Fachberatungsstelle gegen sexuellen Missbrauch: Tel. 0441 1 66 56, www.wildwasser-oldenburg.de
  • „Schwangere in Not“: Tel. 0800 40 40 020 (24 Stunden), www.geburt-vertraulich.de
  • Frauen und Kinderschutzhaus im Landkreis Oldenburg: Tel. 04431 92 842, www.oldenburg-kreis.de/frauenhaus
  • Beratungs- und Interventionsstelle Häusliche Gewalt/Aufwind Frauen und Mädchentelefon: Tel. 04431 94 85 85, www.oldenburg-kreis.de/biss / www.oldenburgkreis.de/aufwind