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Ausstellung "Wechselseitig" von Ingrid Freihold und Ida Oelke

Am Mittwoch, den 07. Juni wird um 18:00 Uhr im Rathaus Kirchhatten die Ausstellung „Wechselseitig von Ingrid Freihold und Ida Oelke mit Tusche- und Holzschnittarbeiten eröffnet.

 

Die Ausstellung zeigt ein interessantes Zusammenspiel von Holzschnitten und Zeichnungen. Ingrid Freihold zeichnet expressiv-malerisch mit Tusche auf Papier; Ida Oelke entwirft klare und konstruktive Holzschnitte. Durch Farbakzente, häufig in Rot, verbinden sich ihre Werke visuell. Bei beiden Künstlerinnen steht der Mensch im Mittelpunkt, sein Da-Sein mit sich und anderen in der Welt. Zusammen treten die Werke in einen spannenden Dialog.

 

Die Grafikerin Ida Oelke entdeckte den Holzschnitt als Hochdruckverfahren Anfang der 90er Jahre für sich und bildete ihren eigenen Stil in Anlehnung an die Expressionisten aus.

 

Holz ist ein lebendiger Werkstoff, der durch seine Maserung und Astlöcher bereits Leben an sich zeigt. Diese bilden von selbst bereits „LebensSpuren“ und geben den Kompositionen ein besonderes Etwas, welches die Verbindung von Mensch und Natur deutlich macht. So entstehen im Zusammenkommen von grafischem Inhalt und natürlichen Strukturen sehr vielschichtige Drucke bei stark reduzierter Linienführung. Der Holzschnitt hat seinen Ursprung bereits bei den alten Ägyptern und in Ostasien in Form von Holzstempeln. Er ist demnach eines der ältesten druckgrafischen Verfahren um Bildvorstellungen festzuhalten.

 

In Europa hielt diese Technik erst um 1400 Einzug. Anfangs wurde sie hauptsächlich zum Buchdruck verwendet, bis Dürer und Baldur den Holzschnitt neu definierten und somit als eigenständige Kunstform aufwerteten. Mit der Revolution der Lithografie geriet der Holzschnitt etwas in den Hintergrund.

 

 

Er gelangte jedoch durch die Impressionisten wie Käthe Kollwitz, Ernst-Ludwig Kirchner etc. zu einer neuen Blüte. War der Holzschnitt fast ein Relikt seiner Zeit, so wird er heute nur noch von wenigen Künstlern schwerpunktmäßig genutzt.

 

Ida Oelke, geb. 1956 in Wittmund/Adorf lebt und arbeitet in Esens/Ostfriesland. Seit 1981 nimmt sie an zahlreichen Seminaren und Arbeiten in den unterschiedlichsten Werkstätten in Deutschland, den Niederlanden und Italien, zuletzt 2006 bei Prof. Robert Hammerstiel in Österreich, teil. Sie ist Mitglied im bbk und in der GEDOK.

 

Im Vordergrund ihrer Arbeiten steht das Ästhetische in der Kunst, die Harmonie von Farben, Formen und Linien. Seit vielen Jahren arbeitet sie in den unterschiedlichsten Techniken. Schwerpunkt ihrer Arbeiten ist der Holzschnitt.

 

Ingrid Freiholds Bilder zeichnen sich vor allem durch die kalligrafischen Bezüge im Malerischen aus. Feine Linien begegnen kräftigen Strichen. Hier lässt sich ein Bezug zur chinesischen und japanischen Schrift- und Bildkultur herstellen, die eine Verbindung von Malerei und Geschriebenem herstellt, Bildzeichen erstellt und in der der ästhetischen Ausgewogenheit ein hoher Stellenwert beigemessen wird. Dies gilt ebenso in Freiholds Werken. Sie bilden Momentaufnahmen von Emotionen, die durch kalligrafische Zeichen, häufig auch durch deutliche Schrift, untermauert werden. Die Bedeutung und Funktion der Arbeitsmittel spielt hierbei u.a. eine besondere Rolle. Shitao, ein chinesischer Mönch und Maler des 17. Jahrhunderts, beschreibt dies sehr eingehend: „Das Bild wird von der Tusche, die Tusche vom Pinsel, der Pinsel vom Handgelenk und das Handgelenk vom Herzen geleitet.“ (…) „Wenn der Pinsel die Tusche aufnimmt, wird sie beseelt, wenn der Pinsel die Tusche auf den Malgrund überträgt, lässt er sie lebendig werden.“

 

Natürlich gibt es Unterschiede zwischen der chinesischen Herangehensweise an die Malerei und Ingrid Freiholds Intentionen. Aber die Leitung durch das Herz im Allgemeinen haben sie gemeinsam. Ingrid Freiholds Bilder wirken überaus lebendig und es steht immer der Mensch im Mittelpunkt. Schwungvoll, spontan und unmittelbar fängt sie Situationen ein und füllt sie mit Emotionen.

 

Sie beschränkt ihre Kompositionen dabei auf das Wesentliche und nutzt eine absolut reduzierte Linienführung und Farbgebung. Ein Hintergrund ist nur in seltenen Fällen vorhanden.

 

Ingrid Freihold, von Beruf Dipl.-Designerin und Kunstpädagogin, geb. 1960 in Kaiserslautern. Ihre Lehrerausbildung absolvierte sie in der Zeit von 1979 – 1986 u.a. in Kunst an der EWH Landau/Mainz. Von 1986-1991 studierte sie Kommunikationsdesign an der FH in Wiesbaden und absolvierte ihr Diplom in Illustration und Kalligraphie. Von 1991-1995 war sie beruflich tätig als Diplom-Designerin. Seit 2008 ist sie freiberuflich tätig mit Illustrationen für Bücher und Zeitschriften, Malerei und Kalligraphie. Sie ist Mitglied im GEDOK-Niedersachsen Hannover und im BBK Oldenburg sowie in der Künstlervereinigung Nordbrücke e.V. in Wiesmoor.

 

Die Einführung in die Ausstellung übernimmt an diesem Abend die Kunsthistorikerin Frau Dr. Viola Tallowitz-Scharf.

 

Die Werke der beiden Künstlerinnen Ingrid Freihold und Ida Oelke sind vom 06. Juni bis 18. Juli im Rathaus-Foyer zu besichtigen.

 

Für Informationen steht Ihnen gerne Marianne Vieler-Bargfeldt, Tel. 04482 / 922-202, im Rathaus Kirchhatten, zur Verfügung.